Aus den Schatten der Vergangenheit blickt der kleine Gustav Mahler uns an, er trägt einen leuchtendweißen Kragen. Auf einem Sessel mit hellem Polster liegt ein Heft – Noten –, auf das Gustav die kleine Hand gelegt hat. Zerbrechlich. Den Mund hält er geschlossen, die Mundwinkel gespannt, als gäbe es längst zu viel zu sagen. Und in den großen Augen, die uns über anderthalb Jahrhunderte hinweg ansehen, liegt eine fast irreale Sensibilität.

 

Es liegt auch Freundlichkeit in ihnen, und obligate Schüchternheit, und, je länger man hinsieht, mehr und mehr Festigkeit. Wann wurden wir zuletzt so angesehen? Da blickt ein offenes Wesen, wie Kinder vielleicht noch offenstehen; aber es keimt in diesem Kind ja eine unvergleichliche Offenheit, die sich erst noch erfüllen wird; und von der wir, wäre Gustav – wie acht seiner Geschwister – nie erwachsen geworden, vielleicht gar nicht erfahren hätten, dass sie möglich ist.

 

Man müsste den Sprung machen vom Augenblick dieser Fotografie zum großen Klang des Orchesters – beides in Auflösung der Zeit zugleich erleben – um besser zu verstehen, wie erstaunlich das Menschenleben ist, das sich entfaltet. Wie wir, schutzlos geboren, aus dem Stoff gemacht sind, die Weite der ganzen Welt in uns aufzunehmen – und durch uns hindurch fließen zu lassen. Wie darin etwas vollständig wird, was sonst bloß in Teilen besteht, uns zwischen Fingern und Herz zerrinnt.